YOU BETTER BE GLUTENFREE

VIEL MEHR ALS NUR EIN HYPE

Vor ungefähr 4 Jahren war ich in Sydney, Australien. Neben der Landschaft, den coolen Leuten und der Stadt an sich ist mir etwas ganz besonders aufgefallen: Ungefähr jedes dritte Produkt war “gluten-free”. In den Supermärkten war alles voller Sticker und Poster, womit glutenfreie Produkte umworben wurden.

Damals dachte ich mir: WTF? Warum ist das alles glutenfrei und was soll das bringen? Ich wusste nicht mal genau, was Gluten überhaupt ist und hab mir darüber auch keine weiteren Gedanken gemacht – leider.

Jetzt, eine Ewigkeit später, habe ich mich endlich mit diesem Thema befasst. Gluten spielte in meiner Ernährung eine große Rolle, da ich sehr gerne Pizza, Pasta und Brot aß. Ich esse es immer noch sehr gerne – nur vieeel weniger oder eben in einer glutenfreien Variante. 😌

 

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Speicherprotein in vielen Getreidesorten. Oft wird es auch als Klebeeiweiß bezeichnet und wird daher als Hilfsstoff in verschiedenen Lebensmitteln eingesetzt (Weizenmehl, Fertigprodukte, Saucen, etc). Durch das Verwenden von Gluten lässt sich das Brot beispielsweise besser backen oder die Nudeln fallen nicht direkt auseinander. Gluten selbst hat einen geringen Nährwert und ist daher nichts, das wir essen müssten – oder das nicht ersetzbar wäre.

 

Und warum darauf verzichten?

Das lässt sich einfach erklären. Die Struktur dieses Speicherproteins lässt sich von unseren Darm sehr schlecht oder gar nicht verdauen (= spalten). Das liegt daran, dass Gluten einen Schutzmechanismus des Getreides vor Fressfeinden darstellt. Getreide, aber auch viele andere Lebensmittel enthalten solche Abwehrmechanismen, um die Verdauung des Fressfeindes zu sabotieren und dem Körper (in diesem Fall: dem menschlichen Körper) zu schaden.

“Aber ich habe kein Problem, meine Verdauung schafft das schon.”

An alle, auf die das zutrifft: Das ist schön. Aber wieso sollte man den Körper unnötig strapazieren und Dinge zuführen, die von Natur aus nicht für uns gedacht sind?

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Ich erkläre nun, wie genau der Körper auf das Klebeeiweiß reagiert.

Mit der Zeit haben Wissenschaftler schon oft festgestellt, dass unser Körper gegen viele Proteine Allergien entwickelt, die er nicht verdauen kann. Das passiert bei vielen Dingen – von Körper zu Körper unterschiedlich. Gluten kann allerdings entweder unverdaut im Darm bleiben und Schäden anrichten oder auf anderem Wege unverdaut in den Körper gelangen. Dann wird es als Fremdprotein erachtet, gegen das unsere Immunzellen Antikörper bilden. So kommt beispielsweise eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) und/oder das Leaky Gut Syndrom zustande.

Da ich nicht davon ausgehen kann, dass jeder etwas mit diesen Begriffen anfangen kann, muss ich hier mal wieder etwas ausschweifen.

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie): ist eine entzündliche Darmerkrankung. Sie wird durch eine fehlgeleitete Immunreaktion auf das Gluten ausgelöst. Man bekommt dadurch starke Durchfälle und Bauchschmerzen, wenn glutenhaltige Nahrungsmittel gegessen werden.

Leaky Gut Syndrom: oder auch durchlässiger Darm. Menschen mit dieser Krankheit haben eine geschädigte Darmschleimhaut. In den Darmwänden sind große Löcher entstanden, durch die im schlimmsten Fall Nahrung, Bakterien und Toxine ungehindert in den Blutkreislauf gelangen können. Das wiederum führt zu Entzündungen im Körper.

Dass der Darm immer durchlässiger wird, ist auch ein Grund dafür, warum Gluten mit so vielen Autoimmunerkrankungen (zum Beispiel Hashimoto Thyreoiditis, Diabetes Typ 1) in Verbindung gebracht wird.

“Ich bin aber gesund.”

Man muss nicht zwangsweise eine der oben genannten Krankheiten haben, um Schäden festzustellen. Schädliche Wirkungen lassen sich auch bei Menschen ohne Glutenunverträglichkeit beobachten. Tatsächlich tragen wohl 60 Prozent aller Menschen Antikörper gegen Gluten im Blut. Das kann man testen lassen.

Unser Immunsystem reagiert also auf das Speicherprotein und löst daher bei einer Mehrzahl der Konsumenten beim Verzehr von Gluten Immunreaktionen und Entzündungen aus.

Bei Menschen wie mir – die an einer Autoimmunerkrankung leiden – ist es besonders wichtig, den Körper vor so vielen Entzündungen wie möglich fernzuhalten.

 

Der Darm – das Zentrum unserer Gesundheit

Der Darm ist das zweitgrößte Organ des Menschen. Er hat nicht nur die Aufgabe, Nahrung zu verdauen und über die Darmschleimhaut als Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente an den Organismus weiterzugeben, sondern muss auch toxische Stoffe erkennen und sie eliminieren. So schützen wir uns vor Krankheitserregern. Im Dickdarm sitzen nämlich 70 Prozent der Abwehrzellen unseres Immunsystems. Sie vernichten durch die Nahrung aufgenommene Giftstoffe und Keime. Allerdings kann die Darmschleimhaut ihre Aufgabe nur mit einer intakten Darmflora erfüllen.

Man kann es sich also ganz grob folgendermaßen vorstellen: Die Darmwand ist wie ein langes Sieb, wodurch Nährstoffe in den Körper gelangen können. Gluten kann nicht aufgenommen, weil es nicht gespalten werden kann. Stattdessen zerstört es allmählich die Zotten, die dafür zuständig sind, Nährstoffe aufzunehmen. Das passiert mit der Zeit und hat erst mal keine Auswirkungen.

Irgendwann sind die Zotten allerdings so abgeflacht, dass Nährstoffe nur noch teilweise aufgenommen werden können, was zu verschiedensten Nährstoffmängel führen kann. (Vitamin- und Mineralstoffmangel wie Eisen, Zink. etc.)

Vor allem bei Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit werden Antikörper gebildet, die das Gluten angreifen und vernichten sollen. Doch dabei wird (insbesondere bei Zöliakie) der Darm selbst ebenfalls geschädigt. Bei zu großer Schädigung entstehen Löcher in der Darmwand – also das Leaky Gut Syndrom.

Eine Glutenunverträglichkeit hat nicht jeder – das ist klar. Dennoch richtet Gluten mehr Schaden an, als es gut tut. Unter Umständen kann eine Glutenunverträglichkeit im Verlauf der Zeit entstehen. Wieso es also herausfordern?

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Warum wir denken, wir können nicht ohne:

Pizza, Pasta, Brot, Kekse, Pfannkuchen, Torte, und und und… die Liste glutenhaltiger Lebensmittel ist mega lang – und mega lecker. Wie oft habe ich in letzter Zeit diesen Satz: Ich kann aber nicht ohne??? Was esse ich denn dann? gehört.

Wie auch Schokolade und Käse haben glutenreiche Produkte den gleichen Effekt auf uns: Wir sind regelrecht süchtig.

Wir haben oft das Gefühl, etwas unbedingt essen zu müssen oder den Gedanken, dass wir ohne nicht können. Dieses enorme Verlangen nach bestimmten Lebensmittel lässt sich allerdings auf eine ganz bestimmte Körperreaktion zurückführen. Beim Verdauungsprozess von beispielsweise Gluten oder Käse, bildet unser Körper bestimmte Stoffe, die uns gut fühlen lassen. Eine Art davon sind Opiate.

Opiate sind Stoffe, die sich ähnlich wie Opium an körpereigene Schmerzrezeptoren binden und sie blockieren. So wird Schmerz unterdrückt und die Stimmung gehoben. Gleichzeitig machen diese Stoffe abhängig – wie auch Opium.

Verzichtet man allerdings eine Weile darauf, gewöhnen wir uns ab und der Körper sehnt sich nicht mehr danach. Das macht es mit der Zeit viel einfacher.

“Aber die Menschen essen doch schon seit Tausenden von Jahren Brot.”

Ja, das stimmt. Aber noch nie zuvor wurde Brot in solch großen Massen innerhalb kürzester Zeit produziert. Um diesen Prozess immer weiter zu optimieren, wird Getreide so verändert, dass es einen höheren Glutenanteil besitzt. Und das alles aus gegebenen Gründen: Zahlreiche Lebensmittel können ja nun von den Fähigkeiten des Glutens “profitieren”.

Ich habe gelesen, dass Getreide früher einen natürlichen Anteil an Gluten von 5 Prozent aufwies, während das genetisch veränderte Getreide heutzutage 50 Prozent enthält. Das ist erschreckend…

Ich habe das Gefühl, dass sich die Anzahl von Menschen mit gewissen Unverträglichkeiten in letzter Zeit häuft. Tatsächlich wird Zöliakie meist vererbt. Das Ganze kann also einen Zusammenhang damit haben, dass unsere nahen Vorfahren auch schon durch verschiedenste Dinge geschädigt wurden – und diese Informationen, die genetisch gespeichert werden, an uns weiter geben. Es liegt nunmal in unserer Natur, dass wir uns mit der Zeit an bestimmte Bedingungen anpassen. Und wenn es eben in Form von Zöliakie, Laktose-Intoleranz oder einer Zuckererkrankung geschieht, sodass wir gezwungen sind, auf gewisse Lebensmittel zu verzichten, dann ist das meiner Meinung nach ein natürlicher Prozess des menschlichen Körpers, wieder zu einer gesünderen und für uns bestimmten Lebensweise zurückzufinden.

Aber das sei jetzt mal so dahingestellt. Es gibt unzählige Faktoren, die hier berücksichtigt werden müssten. Außerdem lassen sich unsere Gene steuern. Nicht äußerlich, sondern durch uns selbst. Aber das ist ein anderes Thema, worauf ich noch sehr gerne zurückkommen werde. #Epigenetik

 

Heißt das jetzt wir müssen alle auf Brot & Co. verzichten?

Jeder wie er will. Ich gebe hier nur nützliche Infos weiter. Habt ihr allerdings ein geschwächtes Immunsystem oder gar eine Autoimmunerkrankung – dann ist es sehr empfehlenswert und auch wichtig.

Folgende Symptome weisen auf eine Glutenunverträglichkeit hin (bei Verzehr von Gluten):

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Blähungen
  • Erbrechen
  • Hautveränderungen
  • Kopfschmerzen oder Migräne

Achtet mal darauf, wie sich eure Verdauung anfühlt, nachdem ihr eine Portion Nudeln oder Brot gegessen habt ODER wenn ihr diese Dinge für einige Zeit weglasst. Ich ernähre mich seit ca. 8 Wochen glutenfrei (bis auf kleine Ausnahmen) und habe vor ein paar Tagen eine groooße Portion Weizennudeln gegessen – und siehe da, meine Verdauung wurde wieder komplett auf den Kopf gestellt… 🙁 Mir geht es ohne glutenhaltige Produkte tatsächlich besser. Hin und wieder darf’s natürlich mal einen Cheat-Day geben. Aber alles in Maßen.

 

No need to worry. Es gibt sooo viele Alternativen:

Die ganzen leckeren Sachen müssen ja nicht zwangsläufig aus Weizenmehl sein. Es gibt genug andere Varianten. Ich probiere mich gerade mit einer Mischung aus Mais- und Reismehl aus. Der Teig klappt wunderbar. Im Supermarkt gibt es viele Nudel- und Brotprodukte, die kein Gluten enthalten. Den Unterschied schmeckt man zwar ein wenig, aber er ist keinesfalls störend. Es ist sogar angenehm, nach einer Portion Nudeln keinen aufgeblähten Bauch zu bekommen.

Wer nicht auf Weizenbrot verzichten möchte, kann auf Sauerteig zurückgreifen. Dieser spezielle Teig muss immer mehrere Stunden bis Tage aufgehen. In dieser Zeit verdauen Hefe und Milchsäurebakterien den Teig und das Getreide vor und machen es damit bekömmlicher für uns. Das Gluten wird dadurch überwiegend abgebaut. Sauerteig ist allerdings nicht vegan.

Falls ihr nun vermehrt auf Gluten achten oder einen Selbsttest machen wollt, dann solltet ihr auf folgende Lebensmittel verzichten:

Dinkel, Gerste, Hafer, Kamut, Roggen, Weizen, Einkorn, Emmer, Grieß, Zwerghirse, Bier, Suppenbasis und Suppenwürze, Weizenkleie, Weizenkleber, Fertiglebensmittel aller Art, Fertigsaucen, Paniermehl und Seitan (besteht zu 100% aus Gluten).

Bei bestimmten Sorten wie Kamut, Einkorn und Emmer – also jene, die über die Jahre hinweg genetisch nicht sonderlich groß verändert worden sind, ist der Glutenanteil von Natur aus gering und daher besser verdaulich.

Ansonsten einfach auf die Rückseite schauen. Dort wird immer angegeben, ob Gluten enthalten ist (aber nicht wie hoch der Anteil ist).

 

Da der Artikel jetzt mal wieder total lang geworden ist, fasse ich nochmal zusammen:

  • Weizenprodukte wurden im Laufe der Zeit so stark verändert, dass der Glutenanteil unnormal hoch ist
  • Es ist im Allgemeinen nicht förderlich und für manche sogar sehr schädlich für die Gesundheit
  • Es ist in unzähligen Lebensmitteln vorhanden (obwohl nicht notwendig)
  • Steht in Verbindung zu verschiedensten Krankheiten
  • Weizen ist keinesfalls unersetzlich

Weizenprodukte sind also meist – wie so viele Produkte unserer Zeit – industriell so stark verarbeitet, dass sie einfach nicht mehr bekömmlich und gut für uns sind. Für die einen mehr und die anderen weniger und dennoch komplett sinnlos.

Ich habe lange überlegt, ob ich einen Artikel zu diesem Thema nun herausbringen soll. Im Internet und auch in der realen Welt scheiden sich nämlich die Geister, was diese Thematik betrifft. Die einen sind maßlos davon überzeugt, dass Gluten den ganzen Körper zerstört und uns fett und dumm macht – die anderen sehen das Ganze als Hype oder Semi-Verschwörungstheorie und gehen davon aus, dass Gluten keinerlei negative Auswirkungen auf uns hat und der Verzicht sogar einen Ernährungsdefizit hervorbringen kann.

Ich für meinen Teil gehe von meinem persönlichen Empfinden, meinen Erfahrungen und auch dem erlerntem Wissen durch neuere und nachvollziehbare Studien davon aus, dass es für mich sicherlich einen positiven Effekt hat, auf Gluten zu verzichten. Und ich kann ebenfalls sagen, dass ich weiterhin auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten würde, hätte ich keine Autoimmunerkrankung.

Ich bin gespannt, welche Reaktionen auf mich zukommen werden. Bin ich nun die Vegane-Naturkosmetik-Tante, die eh auf jeden Spaß im Leben verzichtet und sich nun auch glutenfrei ernährt – oder erweckt dieses Thema bei euch sogar Neugierde und ein klein wenig mehr Bewusstsein hinsichtlich einer gesunden Ernährung – lasst es mich wissen. ☺️

Neben der glutenfreien spielt zudem die pflanzenbasierte Ernährung für eine gesunde Lebensweise eine entscheidende Rolle. Lies mehr darüber in meinem Artikel “Schon plantbased?”

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